Burg Vondern und seine Architektur
Das Bauwerk
Die Gesamtanlage besteht aus der um 1520 von Wessel von Loe errichteten Torburg und dem zu Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Herrenhauses.
Der wertvollste Teil ist die Torburg, die uns einen Einblick in die mittelalterlichen Verteidigungsformen gestattet.
Die schweren Flankierungstürme sind durch niedrige Zwischenbauten zu einem massigen Ganzen verbunden. Das düstere Bild wird belebt durch die weißen Hausteinstreifen, die sich am Mittelbau hinziehen und die weit auseinander gezogenen wuchtigen Rundtürme umschlingen. Sie lösen mit den Sandsteinfenstereinfassungen und Schießscharten den drohenden Eindruck in "freundliche Eleganz" auf.
Die beiden Außentürme sowie das mittlere Ecktürmchen krönt als Gesims ein spätgotischer Bogenfries, auf den sich das dunkle kegelförmige Schieferdach setzt. Ursprünglich besaß auch der Mittelbau diese gotische Krönung. Leider wurde sie bei einer Dacherneuerung vernichtet. Das äußere Spitzbogentor ist von einer etwa 7 cm vorstehenden Blende aus hellem Sandstein eingerahmt. Sie verhinderte früher, dass der Feind mit Enterhaken hinter die hochgezogene Zugbrücke fasste, um sie herunterzuziehen. Versuchte er es dennoch, so diente das darüber liegende ebenfalls von Sandstein eingefasste Fenster zur Verteidigung.
Später ist es vermauert worden. Wahrscheinlich war es früher nach außen hin durch eine eichene Blendlade verdeckt, die in hochgelegenen Angeln drehbar war. Auf diese Weise konnte das Tor von oben durch Wurf, Guss und Schuss verteidigt werden, ohne dass man vom Walle aus den Verteidigern etwas anhaben konnte.
Bei den Schießscharten, die aus hellem Haustein bestehen und deren Schartenenge in der äußeren Fläche der Mauer liegt, sind deutlich 3 Arten zu unterscheiden:
Die erste Art hat einen etwa 30 cm langen und 8 cm breiten Schlitz, der ungefähr im unteren Drittel eine runde Ausbuchtung aufweist. Diese Scharten dienten zur Verteidigung mit Armbrust und Hakenbüchse.
Die zweite Art der Schießscharten hat eine runde Öffnung. Sie waren lediglich für Pulverwaffen bestimmt. In einigen dieser Scharten liegen noch gut erhaltene Querhölzer, hinter denen die Hakenbüchse eingehakt wurde, um den Rückstoß abzuschwächen.
Fast zu ebener Erde befindet sich die dritte Art der Schussöffnungen. Sie sind rechteckig und am Fuße der Ecktürme angebracht. Sie dienten zur Verteidigung des Tores durch Feldschlangen, die Vorläufer unserer heutigen Kanonen.
Im Innern der Burg wölben sich über den Schießscharten des Erdgeschosses starke Mauerbogen, die 1,80 m hoch, 0,60 m tief sind und zugleich den Wehrgang tragen. Es sind die sogenannten Schießkammern. Der Wehrgang führte von dem großen Raume über dem Torzwinger in die runden Flankentürme. Von dort konnte man die Ringmauern erreichen, von denen nur noch die südliche erhalten ist. Die Türme haben außen eine runde Öffnung aus Sandstein, durch die der Pulverrauch abzog, der beim Abfeuern entstand 69.
Der Torzwinger hat ein gotisches Kreuzgewölbe. Die Türme zeigen dies in der älteren Form. Der Zwinger führt in die Räume des Torhauses, die für die Torwachen bestimmt waren.
Über den Burghof gelangt man zum Herrenhaus. Schon an den beiden Barockerkern erkennt man, dass es in einer späteren Zeit erbaut worden ist. Der einfache und schmucklose Ziegelbau wird nur durch die weiße Sandsteineinfassung der Fenster und die Erker belebt. Die steinerne Brücke verbindet das Herrenhaus mit dem Burghof. So einfach wie das Äußere des Hauses ist auch sein Inneres. Es besteht aus zwei fünfräumigen Stockwerken. Der ehemalige Brunnen im Keller ist infolge des Bergbaues längst versiegt. Die Gräben sind vollkommen verlandet. An die einstmals so starke Zugbrücke erinnern nur noch die Rollen, über die die Ketten rasselten, wenn einem Feind der Eingang versperrt wurde. Das alte Gemäuer zeigt deutlich die Spuren der Zeit. Der dunkle Ziegel hat vier Jahrhunderte überstanden.Trotz allem ist es auch heute noch ein vornehmes Denkmal westfälischer Burgenbaukunst.