Burg Vondern

Geschichte . Kultur . Konzerte

Der Förderkreis Burg Vondern
- Von den schweren Anfängen bis zur Gegenwart!

Manchmal ist es im wahren Leben fast so schön wie im Märchen:

Mit „es war einmal“ und „Happyend“, mit Bauern und Burgherren, mit drohendem Ungemach und unerschrockenen Kämpfern gegen den Verfall von Anstand, guten Sitten oder - wie in unserem Fall - von alten Gemäuern.

Schließen wir die Augen und lauschen der jüngeren Geschichte von Burg Vondern, dem einzigen bis in unsere Tage erhaltenen gotischen Profanbau in ganz Nordwest-Deutschland, einem bauhistorisch wie stadtgeschichtlichen Kleinod.

Die Burganlage nach dem Krieg

Die Burganlage nach dem Krieg

Gut versteckt zwischen Eisen- und Autobahn, fast vergessen von Denkmalpflegern und Heimatforschern, dämmerte die Burg anno 1982 dem sicheren Verfall entgegen.
Das Herrenhaus diente als Hühnerstall und Heuschober, auf dem Hof käuten die schwarzbunten Kühe von Bauer Paaßen wider, im nördlichen Torturm hatte sich der Pächter selbst häuslich niedergelassen.

Jedenfalls so gut es die Örtlichkeiten erlaubten: mit Plumpsklo, Kohleofen in der engen Wohnküche, notdürftig abgedichteten Fenstern und fließend kaltem Wasser.
Kurzum, gut 700 Jahre nach der ersten, urkundlichen Erwähnung eines Herrensitzes derer von Vondern am Standort der heutigen Burg präsentierten sich die historischen Gebäudeteile - Torburg, Herrenhaus und Stallgebäude - in einem erbärmlichen Zustand. Prosaisch würde man vielleicht vom „Zahn der Zeit“ sprechen, der an den Vonderner Ziegeln nagte.

Eher technisch denkende Beobachter würden von „erheblichem Substanzverlust durch unsachgerechte Nutzung“ sprechen.
So oder so: Anfang der 80er Jahre drohte der Burg sogar der Abbruch !

Bei den seinerzeit geschmiedeten Plänen zur Verlängerung der Autobahn 31, dem sogenannten „Ostfriesenspieß“, stand das ehrwürdige Gemäuer schlicht im Weg.
In bester Schildbürgermanier schien das letzte Stündlein der Burg eingeläutet.

Es gehörte zunächst zu den dringenden Aufgaben, diese Pläne zu verhindern.

Zur Ironie des Schicksals zählte jedoch, dass ausgerechnet in dieser brenzligen Situation die Zukunft eines steinernen Zeugen der Vergangenheit gesichert wurde - dank einer Handvoll Idealisten, die sich um den jungen Bauunternehmer und damaligen Vorsitzenden des Hans Berger u. Dirk GrünewaldOsterfelder Bürgerrings Dirk Grünewald und den Architekten Hans Berger scharten. 
Ihnen ist es zu verdanken, daß 1982 der Förderkreis Burg Vondern e.V. Oberhausen-Osterfeld gegründet wurde. Die Autobahnpläne waren rasch vom Tisch.

Diese Nutzung soll „insbesondere durch die Veranstaltung von Ausstellungen, Vorträgen und Sonderveranstaltungen erfolgen“. Hohe Ziele angesichts des trostlosen Zustandes der Gebäude und des Umfeldes der Burg. " Wir mussten dicke Bretter bohren und um Vertrauen für unsere Pläne werben“, erinnern sich Grünewald und Berger an die Gründungstage des Förderkreises, "denn das beabsichtigte Modell war bundesweit einmalig“: Ein eingetragener Verein übernimmt die Verantwortung für eine heruntergekommene, aber denkmalwerte Immobilie. Er sorgt nicht nur für ihre Restaurierung, sondern auch für ihre dauerhafte Bewirtschaftung und Öffnung für die Allgemeinheit.

Anfänglicher Skepsis zum Trotz fruchtete die Überzeugungsarbeit zur Erhaltung der Burg gegenüber Kommunalpolitikern und Denkmalschützern rasch: Ein Jahr nach Gründung des Förderkreises wurde der "Überlassungsvertrag auf unbefristete Zeit“ mit der Stadt Oberhausen unterzeichnet. Die Stadt hatte Burg Vondern 1947 von den Grafen von Nesselrode-Reichenstein übernommen - und hinterließ dem Förderkreis nun ein schwebendes Gerichtsverfahren mit dem langjährigen Pächter Rudolf Paaßen. 2Die Familie Paßen lebte seit Jahrzehnten auf der Burg. Rudolf Paaßen ist dort geboren und wollte - mittlerweile im hohen Alter - das Gebäude nun partout nicht verlassen.
Grünewald setzte auf Konsens und erzielte beim Vor-Ort-Termin mit Richter und Pächter auf dem Burghof einen für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss: „Wir wollten ja niemanden vertreiben. Aber die bisherige bäuerliche Nutzung stand nicht nur der Sanierung im Wege, sondern bedeutete sogar eine nachhaltige Beeinträchtigung des Gebäudes.“ Das kam Paaßens Portemonnaie und Grünewalds Argumentationslinie eine Abschlachtprämie der Europäischen Union für Rindvieh gerade recht.

Die Kühe verschwanden, der Bauer durfte bleiben und zog sogar aus seiner spartanischen Unterkunft in der Torburg ins Herrenhaus, wo ihm der Förderkreis eine kleine Wohnung mit Toilette und eigenem Bad einrichtete. In den folgenden Jahren entwickelte sich Paaßen als „Burgherr“ zu einem erklärten Freund des Förderkreises und war für kleinere Hausmeisterarbeiten bis zu seinen baldigen Ableben im Jahre 1984.

Mit Aus- und Nachbesserungen war es angesichts des schlechten Zustandes insbesondere des Herrenhauses jedoch nicht getan: Eine Totalsanierung drängte, um den Verfall der Burg zu stoppen, sie der Nachwelt zu erhalten und eine zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen.

Sowohl bei den Planungen als auch bei der Umsetzung erwies es sich als glücklicher Umstand, dass die Vereinsführung mit Grünewald und Berger gleich aus zwei Männern „vom Bau“ bestand. Beide, so erinnert sich Grünewald, verbrachten in dieser Phase mehr Zeit auf der Burg als in den eigenen Betrieben, vor allem während einer zwei-jährigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme:

In den Jahren 1985 und 1986 waren mit Unterstützung der Stadt und des Arbeitsamtes gleich sieben schwervermittelbare Arbeitslose und drei Soziahilfeempfänger dauerhaft mit der Restaurierung des Herrenhauses beschäftigt. 

Zu den ersten Aufgaben der ABM-Kräfte gehörte es, die Bausünden vor allem aus der Nachkriegsära auszubügeln. Denn die Unterbringung von Flüchtlingen und später von Bergleuten in einem provisorisch hergerichteten Wohnheim hatte notdürftige sanitäre Einrichtungen und behelfsmäßige Einbauten hinterlassen, die dem Ursprungszustand des Gebäudes nicht entsprachen.

Bauleitung, Bauaufsicht und Materialbeschaffung für die ABM übernahm der Förderverein. „Gewissermaßen ein mittelständischer Handwerksbetrieb mit ehrenamtlicher Führung“ schmunzelt Grünewald im nachhinein. Dabei gestaltete sich das Verhältnis mit dem Landeskonservator als oberstem verantwortlichen Denkmalschützer - vorsichtig formuliert - als nicht ganz unproblematisch.

Grünewald drückt es in bester Tradition der Fehden und kleineren Scharmützel aus der Burggeschichte drastischer aus: „Einmal wäre ich am liebsten handgreiflich geworden.“ Zankapfel war wie so oft das liebe (oder besser das fehlende) Geld. Ungeachtet der begrenzten öffentlichen Förderung und der knappen eigenen Ressourcen des Förderkreises hatte der Konservator nach Grünewalds Worten „ganz eigene Vorstellungen“ vom Standard der Arbeiten und des zu verwendenden Materials. „Nachdem sich über Jahrzehnte niemand um die Burg gekümmert hat, sollte nun alles vom Feinsten sein.“ Angefangen bei italienischen Bodenbelägen, über teuerste Beschläge bis zu massiven Eichentüren. „Denn“, so die Argumentation des Denkmalschützers: „Furnierhölzer hat es beim Bau der Burg noch nicht gegeben.“ Mit der selben Begründung erhielt der Förderkreis keine Mark für die Elektroinstallation, für Heizung und Toilettenanlagen: "Die gab’s früher schließlich auch nicht".

Den Arbeiten am Herrenhaus schloss sich die Sanierung der Vorburg und später auch der Gräften an.

Insgesamt flossen seit 1984 in die Restaurierung der Burg nach überschlägiger Schätzung gut drei Millionen Mark. Etwa 500.000 DM steuerte der Förderkreis aus Eigenmitteln, Mitgliedsbeiträgen und Spenden bei. 

Von Burg Vondern als "richtige Wasserburg" kann sich, eine jährlich wachsende Besucherzahl selbst überzeugen.

Regelmäßig werden auf Vereinbarung von den Vorstandsmitgliedern Reinhard Lerch und Hagen Hoffmann Termine zu Burgführungen vereinbart. Spannende Rundgänge durch die Burg vermitteln die abwechslungsreiche Geschichte der Burg. Darüber hinaus gibt es jährlich etwa 50 Sonderführungen für Gruppen oder Schulklassen."Nirgendwo sonst habe ich so oft das schöne neudeutsche Wort Ambiente gehört“ wirbt Reinhard Lerch. Die oberen Geschosse eignen sich hervorragend für Firmenpräsentationen, Symposien oder Ausstellungen. Regelmäßige Eckpunkte im Veranstaltungskalender des Förderkreises bilden ein reichhaltiges Angebot von Konzerten.

Zur Finanzierung der erheblichen Betriebs- und Unterhaltungskosten - allein die Energiekosten belaufen sich auf über 8.000 € jährlich - vermietet der Förderverein das Herrenhaus regelmäßig für Sonderveranstaltungen. Im urigen Kellergewölbe steigen private Feiern, Polterabende oder Firmenfeste.

Vom Denkmalschutz begleitet Bodeneingriffe im Umfeld der Burg, besonders im Bereich des Stallgebäudes, haben Bodenfunde in Form von Tongefäßen u.ä. erbracht, die die Zeit vor 1500, d.h. vor Errichtung der heutigen Burg Vondern, belegen. Die Funde werden in der Vorburg in einer Ausstellung präsentiert. Neben der Wiederherstellung der Gebäude hat sich der Förderkreis in den vergangenen Jahren auch intensiv um die Rekonstruktion der Burggeschichte gekümmert. Insbesondere der Osterfelder Heimatforscher Dieter Kusenberg (+ 2006) und, Bergingenieur i.R. Hans Rebel, (langjähriges Vorstandsmitglied), sind in teilweise detektivischer Kleinarbeit bemüht, Licht in das Dunkel der Vonderner Vergangenheit zu bringen.
Das Vereinsarchiv, aus bescheidenen Anfängen erwachsen, füllt nicht zuletzt dank mehrerer bedeutender Nachlässe mittlerweile vier große Schränke.
Jede Urkunde, jedes Heft und jede Mappe laden ein zu einer spannenden Zeitreise durch sieben Jahrhunderte.

Schließlich hat sich der Förderkreis zum Ziel gesetzt, auch das Stallgebäude auf dem Burghof in einen nutzungsfähigen Zustand zu versetzten. Das ohnehin baufällige Gebäude musste aus Gründen der Erhaltung der Wehrmauer abgebrochen werden. Der Neuaufbau zur Erhaltung der Außenansicht der Burg war baulich unbefriedigend; erst der Neubau in Wiederaufnahme des Bauvorhabens in modernerer Form - fertiggestellt 2006 - hat das Burgensemble entscheidend geprägt und verbessert. (Baukosten: 410.ooo Euro)
In Regie des Fördervereins dienen die Räumlichkeiten als Veranstaltungs- und Ausstellungsräume; andere Nutzungskonzepte sind denkbar.

Im Jahre 2004, gab Dirk Grünewald nach erfolgreicher Tätigkeit für den Förderkreis nach 22 Jahren den Vorsitz ab; sein bürgerliches Engagement für Osterfeld war vorbildlich !

Nachfolger von Dirk Grünewald wurde der ehemalige Kämmerer der Stadt Oberhausen, Herr Wilhelm Schmitz der sich als vordringliche Aufgabe seines Wirkens die Wiederherstellung des ehemaligen Stallgebäudes vornahm. Ein Glück für den Fortbestand der Burganlage!

Die guten Verbindungen des "neuen Vorsitzenden" zu Stadt und Land stellten sich als äußerst dienlich für die gesamte Bauabwicklung und deren Finanzierung dar. Die Einweihung des "alten Stallgebäudes", der heutigen REMISE, fand 2007 statt. Eine Freude für alle Oberhausener Bürger und externen Freunde der Burg:  Das Burgensemble war wieder komplettiert worden. Eine beachtliche Leistung des Förderkreises mit seinem Vorsitzenden.  Mit ihr wurde die Nutzung der Burg und somit der Grundstock für eine stabile Basis weiter gefestigt.